In der schönen Oberlausitz

 


Das tausendjährige Bautzen

Obwohl gerade mal ein Jahrhundert alt, überlagert das "Gelbe Elend" spielend die davor liegenden 900 Jahre Stadtgeschichte. Nur das Bautzener Gefängnis schaffte es zu deutschlandweiter Bekanntheit. Der gelbe Klinkerbau war ausbruchsicher. Während der Nazizeit saß der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann ein, die Ikone der Arbeiterklasse. Jedes ostdeutsche Kind hörte davon in der Schule.

Was viele Lehrer nicht wussten oder verschwiegen, weil sie sonst unter Umständen selbst dort gelandet wären: In der benachbarten Anstalt Bautzen II verwahrte die Stasi gleichfalls Regimegegner. Darunter waren der Ulbricht-Weggenosse Walter Janka und der Schriftsteller Erich Loest. Die traurigen Fakten waren im Westen bekannt. Die Stasi war bestrebt, die Kapazitäten stets auszunutzen, denn jeder Insasse war bare Münze wert. Für die vom Westen Freigekauften gab es die begehrte "harte" Deutsche Mark. Heute stehen hier die Türen weit offen, die Gedenk- und Begegnungsstätte lässt Einblicke in das einstige Grauen zu.

Der mittelscharfe Bautzener Senf wird noch immer nach dem altbewährten DDR-Rezept produziert und bringt es zwischen Kap Arkona und Fichtelberg auf stolze fünfzig Prozent Marktanteil. Aus Anlass der Tausendjahrfeier taten sich Hersteller und Stadtväter zusammen. Das bislang freudlose Senf-Etikett ziert seit dem Jubiläumsjahr 2002 nun eine Silhouette der Altstadt. Im Bautzener Senfladen können Feinschmecker heute unter gut einem Dutzend verschiedener neuer Sorten wählen. In der Bautzener Senfstube mit Senfmanufaktur kommen viele Senfgerichte auf den Tisch.

1002 vermerkte der Chronist Thietmar von Merseburg in seinen Aufzeichnungen eine Burg Bautzen, Budisin civitatem. Schon damals war Bautzen eine ansehnliche Siedlung aus Feste, sakralem Zentrum und Marktviertel. Bautzen ist älter als Berlin, Dresden, München und Nürnberg. Zum Ende der DDR waren viele Gebäude in der Altstadt von Verfall und Abriss bedroht:

Der Wandel der Tausendjährigen ist erstaunlich. Ab 1993/94 folgte die rasante Wiedergeburt des alten Bautzen. Auf der Liste der Baudenkmäler stehen 1500 Gebäude. Der Einsatz von Staats- und Landesfördermitteln hat für die Bautzener einen angenehmen Nebeneffekt. Die Mieten dürfen nur sehr moderat steigen. Viele Einheimische, auch mit kleinerem Geldbeutel, wohnen nach wie vor in bester Lage. Beim Stadtbummel verliebt man sich in die Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen, herausgeputzten Bürgerhäusern, historischen Gaststuben und Cafés.

Bautzen profitierte in besonderem Maße von der Nähe zur Residenzstadt Dresden. Viele prominente Architekten und Künstler aus der Barockepoche haben auch für hiesige Auftraggeber gearbeitet. Zu jener Zeit gab es mehrere Stadtbrände, die fast alle Holzhäuser in Asche legten. Das "neue" Bautzen entstand als steinernes Barockkleinod. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Dresden zerstört. Nur Bautzen besitzt die Originale, vom Star-Architekten Gottfried Semper oder dem Schöpfer der Dresdner Frauenkirche George Bähr. Die Ähnlichkeit mit dem barocken Dresden offenbart sich dem Betrachter in der Inneren Lauenstraße: Flankiert von prächtigen Gebäuden und mit Blick auf Rathaus und Dom erscheint der Pflasterweg wie eine Miniatur der einstigen Prager Straße in Dresden.

Wohltuende neue Bautzener Architektur entstand auch in den 1990er Jahren. Geschickt fügten die heutigen Baumeister moderne Wohnhäuser in Altstadtlücken ein. Mit Glas und Stahl wurden Barockelemente in der Schlossstraße nachempfunden und dennoch nicht einfach kopiert, sondern dem Zeitgeist angepasst.

Die Reichenstraße führt zum Reichenturm, dem "Schiefen Turm der Lausitz". Er neigt sich 1,44 Meter aus dem Lot. Das Dilemma begann um 1715, als man die Holzhaube durch Stein ersetzte. Mitte der 1950er Jahre wurde auf dem anstehenden Fels ein neues Turmfundament gegossen, womit dem Spuk ein Ende bereitet war.

Tausend Jahre Bautzen entsprechen tausend Jahre Bautzener Kirchengeschichte. Im Jahre 999 weihte ein Meißner Bischof an Stelle des heutigen Doms das erste Gotteshaus. Ein Amtsbruder ließ selbiges gut zweihundert Jahre später abreißen. Ab 1213 wuchs die monumentale Hallenkirche St. Petri. Der Kirchenraum blieb seit der Reformation zweigeteilt, St. Petri ist die älteste Simultankirche Deutschlands. Katholiken und Protestanten feiern ihre Gottesdienste unter einem Dach.

"Wir wollen unseren Matthias sehen", ist der erste Wunsch aller ungarischen Gäste. Denn Bautzen besitzt, was ganz Ungarn nicht vorweisen kann. Das vortrefflichste Porträt ihres geliebten Königs Matthias Corvinus. Angeblich war der Bildhauer sechs Mal in Buda, um die Gesichtszüge des Regenten zu studieren, bis die Steinmetzarbeit den Matthiasturm schmücken durfte.

Der Magyar regierte von 1469 bis 1490 über die Lausitz. Schon seit mehr als tausend Jahren leben Slawen am Oberlauf der Spree, die Urahnen des heutigen sorbischen Volkes. Die Straßenschilder tragen deutsche und sorbische Namen, auch Bautzen und Budyšin sind gleichberechtigt. Den Kunstbeirat im Bundesfinanzministerium interessierte das jedoch nicht. Auf der Sonderbriefmarke zum 1000jährigen Jubiläum wurde Budyšin kurzerhand gestrichen, ein Fauxpas unwissender Beamter.

Im mittelalterlichen Gewölbe des Nationalitätengasthauses Wjelbik werden Besucher von Veronika Mahling mit "Witajce k nam!”, Herzlich Willkommen, empfangen. Nach altem Brauch reicht sie den Gästen Brot und Salz. Die Chefin bedient in typisch Bautzener Tracht mit schwarzem Häubchen. "Dajce sebi slodzec”. Lassen Sie es sich gut schmecken.



Krabat - Der gute sorbische Zauberer

Am Markt von Wittichenau steht Krabat auf einem hohen Sockel. Seit etwa einem Jahr fehlt ihm die linke Hand, auf der ein Rabe saß: Man sagt, dass es der selbe Vogel wäre, der nun auf dem Dachfirst an der neuen Krabatmühle in Schwarzkollm auf die anderen Raben warte ...

Es ist nicht ausgeschlossen, dass der Dichterfürst Goethe einige Passagen mit dem Zauberlehrling für seinen "Urfaust" aus der Krabat-Legende abkupferte, die damals unter den Leuten kursierte. Wie Faust hat sich auch Krabat mit guten und bösen Mächten eingelassen. Um 1620 zogen viele Kroaten durch die Lausitz, in ihrer Heimat durch türkische Heerscharen bedrängt und von den Einheimischen "Krabaten" genannt.

Krabat, ein Vieh- und Gänsehirt, gelangte auf seiner Wanderschaft als 14jähriger nach Schwarzkollm:

Hier trieb der Schwarze Müller sein Unwesen. Krabat erlernte hier das Müllerhandwerk und nebenbei allerlei Zauberei. Schließlich gelang es ihm zu entwischen, mit dabei hatte er den Koraktor – das geheimnisvolle Zauberbuch des Schwarzen Müllers. Mit dessen Hilfe sorgte er für das Wohlergehen der Familie und vieler armer Leute und rettete sogar dem sächsischen König mehrmals das Leben: Aus dem Jahre 1691 datieren die ersten schriftlichen Quellen über den Kroatenoberst Johann von Schadowitz, der in kursächsischen Diensten stand und von dem behauptet wird, er wäre Krabat gewesen. Für seine Verdienste im Türkenkrieg bekam er vom Landesherrn das Vorwerk Groß Särchen geschenkt, wo er von 1691 bis zu seinem Tode 1704 lebte. Auf ihn geht der Anbau von Dinkel und Hirse in der Lausitz zurück und bei "Ostwind hat er den Hagel aufgehalten", um die Ernte zu schützen, so berichtet die Chronik. Hundert Jahre vor der französischen Revolution hat Krabat alias Johann von Schadowitz auf seinem Gut die Leibeigenschaft aufgehoben. Seine Bauern brauchten nur einen Tag in der Woche für ihn arbeiten, alles andere konnten sie für sich erwirtschaften.

Deutschlandweit wurde Krabat durch die gleichnamige Erzählung des Erfolgsautors Otfried Preußler bekannt. "Soeben wurde der Stoff in den rumänischen Karpaten verfilmt und kam 2008 in die deutschen Kinos", sagt Wolfgang Kraus. Der Architekt aus dem Sauerland, hochgewachsen, mit wallendem weißen Haar und Schnurrbart gibt jetzt überzeugend und authentisch den Krabat für Touristen. Stets begleitet ihn der Koraktor, das schwere Zauberbuch mit hölzernen Buchdeckeln.

Der lebendige Krabat stammt aus dem katholischen Sauerland und ist seiner Frau zuliebe in die Lausitz gezogen: "Ich wurde erst hier richtig katholisch, in Wittichenau gehen viele Leute morgens und abends in die Kirche". So kommt es hier auch vor, dass ein CDU-Mitglied auf dem Totenbett noch schnell in die SPD eintritt, "weil es besser ist, es stirbt einer von denen". Wolfgang Kraus hat auch das neue Vorwerk an der Bundesstraße 97 in Groß Särchen entworfen, in das er demnächst umziehen wird.

Bei Schwarzkollm, nahe vom historischen Standort der Schwarzen Mühle, wächst derzeit ein Vierseithof. Vorwiegend mit historischen Baumaterialien aus Abrissgebäuden, entstand bereits ein Fachwerk-Laubengang und eine Bude der Wandergesellen: Von diesen Buden gibt es in Deutschland nur drei, die anderen stehen auf Rügen und im Schwarzwald. Vierzig Gesellen haben hier schon kostenlos für längere Zeit gearbeitet und das Ergebnis lässt sich sehen. Ganz ohne Fördermittel sind engagierte Schwarzkollmer Bürger mit Hilfe der Handwerker ihrem Traum von einer neuen Krabatmühle nähergekommen.

Inzwischen wurde in Mecklenburg auch eine historische Wassermühle gekauft, die hier bald wieder klappern soll. Schon jetzt halten an der Baustelle viele Neugierige, wenn der Krabat-Film erst anläuft, werden es wohl noch einige mehr sein. Zwischen Hoyerswerda im Norden und Kamenz im Südwesten ist der Krabat-Radweg auf etwa 80 Kilometer markiert und führt zu allen Orten, die in der Oberlausitz mit seinem Namen verbunden sind.

In vielen Gasthäusern unterwegs mundet das neue Krabat Pils, gebraut in der Wittichenauer Stadtbrauerei. Wolfgang Kraus erzählt: "Wir haben im Stadtrat zu neunt zusammengesessen und viele bekannte Biersorten verkostet, bis wir fanden: So muss unser Bier schmecken. Beim Krabatlikör war es übrigens noch schwieriger".

 

Die Lessingstadt Kamenz

Kamenz ist untrennbar mit dem Namen Gotthold Ephraim Lessing verbunden. Am 22. Januar 1729 erblickte der spätere große deutsche Dichter und Aufklärer hier das Licht der Welt. Anlässlich des 200. Geburtstages wurde zwischen 1929 und 1931 das Lessing-Museum erbaut.

Vor dem Museum steht eine bronzene Lessingbüste. Das Gebäude auf dem Lessingplatz 3 im Norden der Altstadt ist kein verstaubtes Memorialmuseum, sondern ein lebendiges "Haus der Literatur und des Lesens" mit bibliophiler Werkschau des Dichters und gemütlichem Lesecafé. Im Januar und Februar finden hier die Lessing-Tage statt, mit Lesungen, Aufführungen und Diskussionsrunden. Hier ist auch zu erfahren, dass der junge Lessing in der Fremde öfter über die Stränge schlug und seinen Vater im Provinzstädtchen in arge Bedrängnis gegenüber seinen "Schäfchen" brachte. So begann Lessing in Leipzig zwar auf Wunsch seiner Eltern ein Medizin- und Theologiestudium, widmete sich aber mehr der Theaterleidenschaft. Nach nur zwei Jahren brach er das Studium ab.

Im Lessinggässchen erinnert eine Gedenktafel an den Standort des Geburtshauses von Lessing, der hier in Kamenz bei seinen Eltern zwölf Lebensjahre verbrachte. Lessings Vaterhaus wurde im Jahre 1842 durch einen Stadtbrand vollkommen vernichtet. Jetzt befindet sich am selben Ort ein kleiner gepflegter Garten mit Lessinggedenkstätte.

Am Rand der südlichen Altstadt ragt die spätgotische St. Marien- Kirche empor. Lessings Vater war hier Pastor und predigte 50 Jahre von der hiesigen Kanzel. Der kleine Gotthold Ephraim wurde hier getauft. Die Festgesellschaft zog anschließend in den Ratskeller im Gasthof "Goldner Hirsch". Das traditionsreiche Haus ist heute ein Viersternehotel am besten Platze. Auf Vorbestellung serviert man hier das dreigängige "Lessingmenü" mit Blumenkohlsuppe, Roßt Bratel mit Rahm und gebackenen Erdäpfeln und Schokoladensuppe.



Lausitzer Industriegeschichte

Zwischen 1914 und 1918 wurde in der Nähe von Hoyerswerda die Brikettfabrik Weminghoff errichtet. Später in Knappenrode umbenannt, war sie bis 1993 in Betrieb. Heute ist hier das Lausitzer Bergbaumuseum beheimatet.

Die Originaltechnik aus jenen Jahren blieb fast vollständig und funktionstüchtig erhalten, so dreizehn Brikettpressen mit Dampfantrieb und drei riesige Turbinen-Generatorblöcke, darunter einer der Firma Brown Bovery aus dem Jahre 1914. In den roten Backsteingebäuden der Gründerzeit wird der gesamte Verarbeitungsprozess der Braunkohle von der Erkundung über Gewinnung und Veredlung, aber auch das nachfolgende Rekultivieren der ausgebeuteten Landschaft dokumentiert. Im ehemaligen Kühlhaus der Brikettfabrik ist die Ausstellung zum Thema "Braunkohle und Umwelt" zu sehen. In der Feuerstättenausstellung sieht man etwa 3000 kunstvolle und kuriose Stücke, die der Berliner Schornsteinmeister Bernd Müller in den vergangenen Jahren sammelte, so historische Ofenplatten, Kunstguss- und Kachelöfen.

Foto Nr. 11 Hier wird das Geheimnis gelüftet, wie man einen "Zahn zulegt", jemandem "Feuer unterm Hintern" macht und warum man stets "mehrere Eisen im Feuer" haben sollte.



Das Buch zur Reise

Lausitz, das ist die Landschaft zwischen Spreewald und Zittauer Gebirge. Sie ist die Heimat der Sorben, deren Volkskunst und Brauchtum noch vielerorts gepflegt werden.

Interessante, geschichtsträchtige Altstädte wie Bautzen, Görlitz, Zittau, Löbau und Kamenz erwarten den Besucher ebenso wie abwechslungsreiche Wander- und Radwege weitab vom Lärm und der Hektik des Alltags.

Lohnende Urlaubs- oder Ausflugsziele existieren in großer Auswahl auf kleinem Raum: Herrliche Wälder im Lausitzer Bergland, die Lagunenlandschaft des Spreewaldes, naturnahe Heide- und Teichgebiete, Pücklers Gartenkunstwerke, Seen aus der Bergbauretorte, Schlösser, Kirchen, Freilichtmuseen, Schmalspurbahnen und sogar ein Saurierzoo.

Dieses Buch kann Ihnen beim Auswählen und Kennen lernen von neuen interessanten Reisezielen behilflich sein. "Die Lausitz entdecken", Trescher Verlag Berlin, 2. Auflage 2007, ISBN 978-3-89794-112-0.



Ansprechpartner:
Marketing-Gesellschaft Oberlausitz-Niederschlesien mbH
Tzschirnerstr. 14a
02625 Bautzen,
E-Mail:info@oberlausitz.com
Internet: www.oberlausitz.com



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Layout und Gestaltung: Schefisch 14.12.2007