Rede: Rose Pauly, Präsidentin des DEHOGA Hamburg

Es gilt das gesprochene Wort

SOMMEREMPFANG 2013
5. August im Anglo-German-Club

BEGRÜßUNG


- Minister Dr. Rösler
- Stellv. f. alle Parlamentarier: Vizepräsident der Bürgerschaft Dr. Schinnenburg,
- für den Senat: Senatorin Prüfer-Storcks,
- Herrn Weihbischof Jaschke
- GenKon Yang + Khotulev, stellv. für Damen und Herren des Konsularischen Korps
- Ich freue mich, dass Bundeswehr und Handelskammer uns heute die Ehre geben,
- DEHOGA-Präsidenten-Kollegen Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

zum strahlenden Sommerabend passt das Thema

 

 

 | DEHOGA Sommerempfang 2013 in Hamburg | 

 

TOURISMUS

in Hamburg die große Erfolgsstory. „Erfolg hat viele Väter", sagt man – in diesem Fall ist es sogar richtig. Zu nennen sind:


  • die Musicalmacher, die den Tourismusboom in Gang setzten,
  • die Organisatoren von Großereignissen wie Hafengeburtstag, Triathlon, Cyclassics,
  • die Hamburg Tourismus GmbH, Hoteliers und Gastronomen, die ihre Hausaufgaben machten, Qualität und Service aufpolierten, attraktive neue Konzepte verwirklichten,
  • die Politik, die mit z.T. erheblichen finanziellen Anstrengungen für die touristische Infrastruktur sorgt, die Vorgängersenate ebenso wie der Amtierende:

Messeausbau, Kreuzfahrtterminals, beschlossene CCH-Modernisierung und – wenn auch mit gehörigen Geburtswehen– die Elbphilharmonie.

Über 10 Mio. Übernachtungen zählten wir 2012, doppelt so viele wie vor 10 Jahren.

Kein Zweifel, für die Hotellerie ist der Kuchen größer geworden. Gewachsen ist aber auch die Zahl derjenigen, die ein Stück davon abhaben wollen. Von 30.000 auf nunmehr 53.000 Betten ist das Angebot gewachsen. Die bangen Blicke der Branche auf den nicht nachlassenden Hotelbauboom kann man gewiss verstehen.

Vor diesem Hintergrund verfolgen wir mit Sorge die Äußerungen von Politikern aller Parteien zum Thema:


MEHRWERTSTEUER

Seit Einführung der 7 % werden wir mit unfreundlichen Kommentaren überzogen, verbunden mit der Drohung, diese segensreiche Entscheidung zum Jahresende wieder rückgängig zu machen. Gern übersehen die Kritiker, dass


  • von den 27 Mitgliedstaaten der EU lediglich drei den vollen Mehrwertsteuersatz auf Übernachtungen erheben. Unsere 7 % sind keine Ausnahme sondern folgen der Regel.
  • dass die großen Ketten den mittelständischen Hoteliers einen harten Wettbewerb bescheren.

Ketten finanzieren sich am Kapitalmarkt, der Privathotelier braucht Kredit seiner Hausbank. Dank 7 % war der in den letzten Jahren eher zu bekommen. Doch die anhaltenden, vom Wahlkampfgetöse untermalten Diskussionen verunsichern nicht nur investitionsbereite Hoteliers, sondern auch die finanzierenden Banken. Renovierungspläne wandern in die Schubladen.


KULTUR- UND TOURISMUSTAXE

Überdies weckte die Entlastung der Hotellerie Begehrlichkeiten bei der regionalen Politik und bescherte uns die Bettensteuer – „Kultur- und Tourismustaxe" – wie sie in Hamburg heißt. Kultur und Tourismus sollen gefördert werden, indem man den Tourismus zunächst schröpft, um danach das Geld abzüglich Verwaltungskosten umzuverteilen.


Ich staune jedes Mal, wenn Politiker ihren Finanzhunger hinter einem guten Zweck verstecken, als ob es nicht die Spatzen von den Dächern pfiffen, dass diese Zweckbindung schlicht irreführend ist, obendrein in der Praxis schnell vergessen wird. Von der Sektsteuer bis zum Soli gibt es dafür Beispiele zu Hauf.


In Hamburg haben wir wie andernorts eine Musterklage auf den Weg gebracht und sind guten Mutes, diese unselige Steuer kippen zu können. Die Sorge ist groß, dass uns am Ende die volle Mehrwertsteuer plus Bettensteuer aufgebürdet wird.


Wie man hört, bleiben die Hamburger Einnahmen bis heute weit hinter den Erwartungen zurück. Kann sein, dass unterm Strich die Verwaltungskosten den größten Teil aufzehren. Das nenne ich nachhaltige Politik: Nachhaltig nur insofern, als uns die Pensionslasten der zusätzlich einzustellenden Verwaltungsfachleute nachhaltig erhalten bleiben werden.


MINIJOBS

Ich meine, man sollte mit einer Branche, die ihre Produktion nicht ins Ausland verlagert, ihre Aufträge an örtliches Handwerk und Handel vergibt und ausweislich der bundesamtlichen Statistik in den letzten 10 Jahren für 150.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte neue Jobs geschaffen hat – immerhin ein sattes Plus von 20 Prozent – etwas pfleglicher umgehen.


Obwohl die Zahlen beweisen, dass das Gastgewerbe Vollzeitarbeitsplätze nicht in Minijobs umwandelt, wird die geringfügige Beschäftigung in Frage gestellt. Ob Familienfeier, Tagung oder ein Reisebus mit hungrigen Passagieren, das steht nicht täglich ins Haus. Bewirtung, Vor- und Nachbereitung sind nicht mit der Stammbelegschaft abzudecken. Hier kommen die Minijobber zum Zug, denn kein Unternehmer kann es sich leisten, den Personalbestand an Umsatzspitzen auszurichten.


Übrigens: 80 % der ausschließlich geringfügig Beschäftigten sind Hausfrauen, Rentner, Schüler oder Studenten, sagt das Statistische Bundesamt. Vollzeit würden sie nicht arbeiten wollen. Diese Arbeitsverhältnisse sind alles andere als „prekär", sie haben sich sogar als probates Mittel gegen Schwarzarbeit erwiesen, bestätigt das Statistikamt.


Mein Appell:

Missbrauch eindämmen – ja, aber nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.


AUSBILDUNG

Woher die Auszubildenden nehmen, die die Zukunft unserer Betriebe sichern sollen? Diese Frage stellt sich überall, auch bei uns. Ende Juli hatten wir in Hamburg 14 % weniger Ausbildungsverträge als im Vorjahr. Was tun? Zwei Wege wollen wir gehen:

  1. In Zusammenarbeit mit der Gewerbeschule haben wir uns in einer ausführlichen Umfrage bei den Schülern nach ihren Erfahrungen – positiv wie negativ – im Ausbildungsbetrieb erkundigt. 700 ausgefüllte Fragebögen werden jetzt ausgewertet und sollen zeigen, woran in Zukunft zu arbeiten ist, damit wir im Wettbewerb um AZUBIs, die Nase vorn haben.
  2. Grone-Stiftung und -Bildungszentrum, Hamburger Arbeitsverwaltung, Berufsschule und DEHOGA befassen sich mit der Gewinnung Ausbildungswilliger aus Südeuropa und vermelden erste Erfolge. Vergangenen Donnerstag starteten 15 Damen und Herren aus Spanien und Portugal ihre duale Ausbildung in Hamburger Hotels.


INTERNORGA

Absurd, bei diesem Wetter an Schneechaos zu erinnern, doch im März hat die INTERNORGA genau darunter etwas gelitten.


Obwohl weniger Besucher als üblich kamen, waren die Aussteller wieder einmal voll zufrieden und bescheinigten uns, dass die INTERNORGA europaweit die größte und bedeutendste Messe für den Außer-Haus-Markt ist.


Lieber Herr Rösler, vor Jahren, als unsere Bundeskanzlerin noch Umweltministerin war, eröffnete sie diese Messe. Wir alle, DEHOGA-Mitglieder, Ausstellerschaft und Messechef Bernd Aufderheide, würden uns riesig freuen, wenn Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler am 13. März 2014 die 88. INTERNORGA eröffnete.


Ich bin mir sicher, der Wähler wird es richten, fehlt nur noch das kleine Wort mit zwei Buchstaben aus Ihrem Munde.


DANK

  • Was wäre der Abend ohne unseren Berufsnachwuchs, den Schülern und Schülerinnen der Hotelfachschule und der Gewerbeschule G 11, die Sie mit ihren Dessertkreationen verwöhnen werden.
  • Mit bewährter Professionalität sorgt sich das Team der Gastronomie Pütter um Ihrer aller Wohl.
  • Die Geschäftspartner unserer Branche, tragen alle Jahre dazu bei, dieses Fest zu ermöglichen. Alles erste Adressen, die Sie auf den Pylonen verzeichnet sehen.

Ihnen allen ein Herzliches Dankeschön für einen wunderbaren Abend, der diesmal sogar vom Wettergott begünstigt wird.
Mein besonderer Dank gilt Ihnen, Herr Minister:
Das Mikrofon gehört Ihnen.



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Da wir gerade beim Thema Steuer sind:

In der augenblicklichen Lage, es Deutschland gut geht aber eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich der Zukunft unübersehbar ist, sind Abgabenerhöhungen Gift für die Konjunktur. Egal ob Vermögensteuer, Einkommensteuer, Finanztransaktionssteuer, Sozialabgaben – allesamt sind sie in besonderem Maße Gift für den Mittelstand und eine immer noch mitteständisch geprägte Branche wie die unsere.




Internet: www.dehoga-hamburg.de


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Textzusammenstellung: © Ermasch - Presse - Service, R.Schäffler
Fotos: © EPS-Schäffler, Igor Zagorskiy, Marcel Schäffler (Neon-Foto-Avantgarde.de)
Quelle: DEHOGA –Hamburg (Rede von Rose Pauly)

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