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| Bündnis zur Förderung der Sicherheit von Hämophilen e. V
So warnte im September 2004 das britische Gesundheitsministerium rund 4.000 Hämophilie-Patienten vor einer möglichen Infektion mit dem Erreger durch eine Bluttransfusion. Kurz zuvor waren zwei Empfänger von vermutlich infizierten Blutprodukten an vCJK gestorben. In Frankreich, dem nach Großbritannien mit inzwischen 14 Patienten am stärksten von vCJK betroffenen Land, mussten bereits wiederholt Rückrufe von Gerinnungsfaktor-Konzentraten veranlasst werden, wenn unbewusst Plasma von Spendern mit vCJK zur Herstellung genutzt wurde. Obwohl Fachleute die Wahrscheinlichkeit einer Infektion durch Gerinnungsfaktorkonzentrate aus Plasma eher gering einschätzen, ist die Möglichkeit nicht auszuschließen. Bei den von Frankreich ausgehenden Rückrufaktionen waren bereits zweimal Gerinnungsfaktorkonzentrate betroffen, die in Deutschland zur Anwendung gekommen sind.
Die sachgerechte Aufklärung von Patienten, die solche Präparate erhalten haben, gestaltet sich bei dem derzeitigen Wissensstand schwierig und stellt für Ärzte und Patienten gleichermaßen eine große Herausforderung dar. Diese ernste Situation veranlasste den Arbeitskreis Blut, ein wichtiges Expertengremium zu Fragen der Sicherheit von Blutprodukten, ein Votum zu erarbeiten, in dem die Vorgehensweise zum Produktrückruf und der Aufklärung beschrieben ist, wenn vCJK-Plasma zur Herstellung von Gerinnungsfaktorkonzentraten verwendet wurde. Hinzu kommt, dass jederzeit neue Viren auftauchen können, die von den etablierten diagnostischen Tests noch nicht erfasst werden oder sich der Abreicherung bzw. Inaktivierung entziehen. Dies ist insbesondere der Fall bei nicht umhüllten Viren, wie zum Beispiel bei dem Erreger der Hepatitis A und dem Parvo B19-Virus. Nachholbedarf in der Therapie Während England und andere Nachbarländer auf diese Risiken bereits lange reagiert haben und offiziell die Therapie mit rekombinanten Gerinnungsfaktorkonzentraten empfehlen, hinkt die Behandlungssituation der deutschen Hämophilen hinsichtlich der oben genannten Sicherheitsprobleme hinterher. Fest steht: Die Deutschen sind in der so genannten Prophylaxebehandlung führend. Bluter werden schon sehr viel früher und individueller mit Faktorkonzentraten behandelt, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall war. Und damit haben vor allem kleine Kinder eine Chance, Gelenkblutungen zu vermeiden und von irreversiblen orthopädischen Schäden verschont zu bleiben.
In punkto Sicherheit jedoch demonstrieren andere Industrieländer einen höheren Standard. Trotz großer Fortschritte beim Schutz vor Infektionen nutzen Ärzte hierzulande noch unzureichend Möglichkeiten der alternativen Therapie mit biotechnisch hergestellten Präparaten. In anderen Ländern wie beispielsweise in Kanada, den USA, Großbritannien oder Frankreich werden bereits über 80 Prozent rekombinante Gerinnungsfaktorkonzentrate zur Behandlung der Hämophilie A eingesetzt. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur knapp die Hälfte. Und das, obwohl sie eine deutlich höhere Virus-Sicherheit als plasmatische Produkte haben und eine Prionenübertragung durch sie ausgeschlossen werden kann, da sie auf gentechnischem Weg hergestellt werden. Das Argument der Verfechter der Plasma-Therapie, rekombinante Faktor VIII Präparate seien schlechter verträglich, da sie zu einer stärkeren Bildung von Antikörpern, so genannten Inhibitoren, führen, ist nicht wissenschaftlich belegt. Allen Befürchtungen zum Trotz zeigen aber Untersuchungen wie die kanadische Switch-Studie* und ein Statement der europäischen Gesundheitsbehörde EMEA vom 18. Oktober 2005, dass die Bildung von Inhibitoren bei beiden Behandlungsformen vergleichbar ist. Großer Informationsbedarf
Versorgung garantieren In Deutschland gibt es derzeit etwa 100 Hämophilie-Zentren. Eine relativ gute medizinische Versorgung können nur Universitätskliniken und Krankenhäuser gewährleisten – kleinere Arztpraxen sind dazu nicht in der Lage. Beide wichtigen Patientenorganisationen der Hämophilen in Deutschland, sowohl die Interessengemeinschaft Hämophiler e. V. als auch die Deutsche Hämophiliegesellschaft e. V., fordern daher die Einrichtung so genannter Comprehensive Care Centers, die eine optimale Versorgung in bester Qualität und Sicherheit gewährleisten. Dafür setzt sich auch das Bündnis zur Förderung der Sicherheit von Hämophilen ein. Der Verein unterstützt sämtliche Aktivitäten, die einen hohen Behandlungsstandard ermöglichen und fördert den internationalen Austausch, um der Therapie in Deutschland neue Ideen und Impulse zu geben. Das Ziel: Die Behandlung nach dem modernsten Stand der medizinischen Wissenschaft und Technik für alle Patienten zu garantieren. Internet: www.bfsh.info |
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