Leitlinien und ihre Folgen für Patienten und Ärzte

Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Göppingen

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Leitlinien und ihre Folgen für Patienten und Ärzte
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Die Zahl der Leitlinien in der Schmerztherapie steigt und mit ihr die Desorientierung von Ärzten und Patienten. Denn viele Leitlinien haben Defizite und Schwächen. Darum starten die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie DGS) und die Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga (DSL) das Projekt PraxisLeitlinien Schmerztherapie. Ziel ist eine bessere Behandlung von Schmerzpatienten.


Leitlinien sind einerseits eine gute Sache: Sie sollen Ärzten und Patienten bei der Entscheidungsfindung für eine angemessene Versorgung in spezifischen Krankheitssituationen unterstützen und die medizinische Versorgung verbessern.

Dr. Gerhard Müller-Schwefe

Andererseits bereiten Leitlinien Ärzten Verdruss. Es gibt inzwischen eine Flut von Leitlinien, auch im Bereich der Schmerztherapie, wobei Quantität nicht Qualität bedeutet. Vielmehr erschweren vorliegende Leitlinien eher die Versorgung von Schmerzpatienten als das sie diese verbessern.


Vorliegende Leitlinien, so auch die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Kreuzschmerz, entsprechen weder den praktischen Erfahrungen engagierter Schmerztherapeuten, noch berücksichtigen sie die Erwartungen betroffener Patienten. Hinzu kommen die fehlende Transparenz, fehlerhafte Darstellungen und Interpretationen wissenschaftlicher Studien und eminenzdominierte Empfehlungen.


LEITLINIEN SIND KEINE RICHTLINIEN, also rechtlich nicht bindend und keine Vorgabe für Ärzte. Dennoch werden sie im Einzelfall genutzt bei Auseinandersetzungen vor Gericht, von Standesgremien, wenn es um die Zulassung von Ärzten oder um Arzneimittelregresse geht, oder von Richtern als Ersatz für Gutachten. Nicht zuletzt erwarten sich Politiker durch die Umsetzung von Leitlinien auch finanzielle Einspareffekte im Gesundheitswesen. Eingesetzt als Orientierungshilfe, die externe, wissenschaftliche Evidenz mit der praktischen Erfahrung von Ärzten und den Erwartungen Betroffener kombinieren, sind Leitlinien sinnvoll und wichtig. Darum haben die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS) e.V. und die Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga (DSL) e.V. beschlossen, entsprechend diesem Prinzip PraxisLeitlinien für den Bereich Schmerztherapie zu entwickeln. Diese sollen eine hohe fachliche und methodische Qualität haben und unter Berücksichtigung internationaler Empfehlungen zur Leitlinienentwicklung entstehen und gleichzeitig den Besonderheiten einer multimodalen Versorgung von Schmerzpatienten in allen Stadien der Schmerzchronifizierung Rechnung tragen.


Für den Begründer der evidenzbasierten Medizin, den kanadischen Epidemiologen David L. Sackett, ruht die Praxis der EBM auf drei Säulen: auf der externen (wissenschaftlichen) Evidenz, auf der individuellen klinischen Erfahrung eines Arztes und den Erfahrungen und Erwartungen Betroffener. Genau auf diesen drei Säulen sollen auch die PraxisLeitlinien von DGS und DSL ruhen.


Patienten haben bei der Entwicklung dieser Leitlinien nicht nur eine als Beratungsrecht getarnte Alibifunktion wie in anderen Fällen, sondern Stimmrecht. Das macht sie zu gleichberechtigten Partnern der Wissenschaftler und behandelnden Ärzte. So soll die Qualität der schmerztherapeutischen Versorgung flächendeckend verbessert und die Stellung der Patienten gestärkt werden. Beide Organisationen erwarten eine generelle Effizienzsteigerung der Versorgung schmerzkranker Menschen im Gesundheitswesen.






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Textzusammenstellung: © Ermasch - Presse - Service, Schäffler / D.I.H.T-Verlag G. Plump
Fotos: © EPS-Schäffler, Marcel Schäffler (Neon-Fotos)
Quelle: Dr. Gerd Müller-Schwefe

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