Rückenschmerzen sind mit Abstand die häufigste Form von chronischen
Schmerzen überhaupt. Mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung leidet
episodisch oder chronisch an Rückenschmerzen.
Damit ist diese Volkskrankheit
Nr. 1 nicht nur Ursache zahlreicher Leidensgeschichten und Frühberentungen,
sondern auch ein wesentlicher Kostenfaktor im Gesundheitssystem.
Rückenschmerzen haben zudem mehr als andere Schmerzformen eine hohe
Tendenz zu chronifizieren. Die Weichen werden bereits in der ersten Woche
gestellt: Wenn es hier nicht gelingt, effizient zu behandeln und die Patienten zu
mobilisieren, droht aus den meist funktionellen Problemen ein Dauerbrenner zu
werden - mit einer langen Patientenkarriere und weiterer Immobilisierung.
Ziel muss es deshalb sein, durch ein alltagstaugliches, effektives und
kostengünstiges Screening Risikopatienten frühzeitig zu erkennen und
weiterführende - auch bildgebende Diagnostik wie Röntgen, CT und MRT - nur
bei den Patienten zu veranlassen, bei denen die körperliche (neurologische,
orthopädische und funktionelle) Diagnostik Hinweise auf strukturelle Störungen
wie Bandscheibenvorfälle oder Tumore
ergibt. Da diese eher selten die Ursache
von Rückenschmerzen sind und selbst röntgenologisch gesicherte
Bandscheibenvorfälle oft nicht für Schmerzen verantwortlich sind, können
bildgebende Verfahren kein universelles Screening-Verfahren darstellen. Die viel
häufigeren funktionellen Störungen der körperaufrichtenden Muskulatur
entziehen sich diesen Verfahren völlig.
Häufigste Ursache von Rückenschmerzen sind muskuläre Verspannungen und
zunehmende Verkürzungen aufgrund einseitiger Belastung, ungünstiger
Körperhaltung und Bewegungsmangel, oft in Verbindung mit psychischer
Belastung. Der als "Lauftier" konstruierte Mensch ist in unserer Gesellschaft zum
"Sitztier" mutiert - mit dramatischen Konsequenzen für das Bewegungssystem:
Zahlreiche Muskeln werden durch Haltearbeit überbeansprucht und verkürzt,
andere werden abgeschwächt. So entsteht ein Ungleichgewicht zwischen den
verschiedenen Muskelgruppen, was schmerzhafte Verspannungen und
Fehlhaltungen begünstigt. Zunächst akute Rückenschmerzen werden oftmals
chronisch, weil durch wiederholte schmerzhafte Informationen die
Steuerprogramme der schmerzverarbeitenden Nervenzellen umprogrammiert
werden und schließlich selbst - auch ohne oder bei geringem Anlass -
Schmerzsignale an das Gehirn senden. Angst und Vermeidungsverhalten
beschleunigen die Schmerzchronifizierung.
Im Vordergrund der Therapie steht die Wiederherstellung der Bewegungs- und
Übungsfähigkeit durch ausreichende Schmerzlinderung und
Lebensqualität durch effiziente Therapie von Rückenschmerzen
und Osteoporose Spannungsreduktion. Da Entzündungen in den seltensten Fällen eine Rolle
spielen, sind entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) hier in aller Regel
wenig erfolgreich.
Therapeutisch haben sich für funktionelle Veränderungen der Muskulatur und
daraus resultierende Schmerzchronifizierung Substanzen bewährt, die sowohl
Muskel entspannend und analgetisch wirken, als auch die
Schmerzchronifizierung nachhaltig verhindern, wie beispielsweise retardiertes
Flupiritin.
Das Wirkprinzip von Flupirtin unterscheidet sich grundlegend von anderen
analgetisch wirksamen Substanzen. Flupirtin ist der erste klinisch genutzte
Vertreter der als SNEPCO (Selective Neuronale Potassium Channel Opener)
bezeichneten Substanzklasse. Flupirtin stabilisiert das Membranpotenzial von
Nervenzellen und hemmt auch die Erregungsüberleitung an Motoneurone. Eine
nachhaltige Lösung verspannter Muskulatur ist die Folge. Damit qualifiziert sich
Flupirtin als ein Basisanalgetikum insbesondere für Schmerzen, die durch
schmerzhafte Muskelverspannungen verursacht sind. Im Rahmen einer
Pilotstudie konnte die muskeltonus-normalisierende Wirkung von Flupirtin retard
unter Verwendung spezifischer objektiver Untersuchungsverfahren bei Patienten
mit chronischen muskuloskelettalen Schmerzen unter praxisnahen
Alltagsbedingungen gezeigt werden.
In einer großen nicht-interventionellen
Studie wurde die Therapie von 1.343 Patienten mit akuten und chronischen
Rückenschmerzen mit entzündungshemmenden NSAR von den behandelnden
Ärzten mit nur befriedigend (41% der Patienten), mangelhaft (32% der Patienten)
und ausreichend (13% der Patienten) bewertet. Die Fortsetzung der
Rückenschmerztherapie dieser Patienten mit Flupirtin retard 1x täglich für 12
Wochen führte zu einer deutlich Verbesserung des Therapieeffektes und für
80% der Patienten wurden sehr gute bis gute Beurteilungen von den Ärzten
abgegeben.